
Rund 60 Interessierte sind am Sonntagvormittag, 6. September, der Einladung des Jüdischen Museums Westfalen zu einer Führung über den Jüdischen Friedhof im „Judenbusch" gefolgt. Elisabeth Schulte-Huxel vom Vorstand des Museums begrüßte die Teilnehmerinnen und Teilnehmer und stellte ihnen erstmals die neue StandPUNKT-Tafel zum Jüdischen Friedhof vor, die das Jüdische Museum und der Verein für Orts- und Heimatkunde auf Initiative der Ideenfabrik Stadtsfeld hier errichtet haben.
Die Tafel fasst Geschichte und Bedeutung des Ortes zusammen, erläutert die Symbolik jüdischer Grabsteine – etwa die Levitenkanne auf dem Grabmal von Ezechiel Heß – und weist über einen QR-Code auf weiterführende Informationen hin. Sie ergänzt die Reihe der StandPUNKT-Tafeln, mit denen an markanten Stellen im Stadtgebiet auf die Geschichte des jeweiligen Ortes aufmerksam gemacht wird.
Dann erläuterte sie die bewegte Geschichte. Der Friedhof wurde 1628 erstmals urkundlich erwähnt und diente über zwei Jahrhunderte als Begräbnisstätte der jüdischen Gemeinde Dorsten. Für die Zeit vom 19. Jahrhundert bis 1941 sind mindestens 80 Bestattungen belegt; erhalten sind heute noch 27 Grabstellen, von denen sich 19 namentlich zuordnen lassen. Der älteste erhaltene Grabstein stammt aus dem Jahr 1857 und erinnert an Samson Nathan Eisendrath. Die letzte Beisetzung erfolgte 1941 mit der Bestattung von Amalie Perlstein.
Da Bürgermeister Tobias Stockhoff wegen anderer Termine verhindert war, sprach Ratsmitglied Johannes Götte ein Grußwort für die Stadt Dorsten.
Anschließend führten Walter Schiffer, freier Mitarbeiter des Jüdischen Museums, und Ayleen Winkler, Kuratorin des Jüdischen Museums, über das Gelände. Sie erläuterten die Spuren jüdischen Lebens auf dem Friedhof und übersetzten die hebräischen Inschriften einzelner Grabsteine.
Im Mittelpunkt standen auch die Bestattungsregeln des Judentums: Der Friedhof gilt als „Haus der Ewigkeit", die Gräber sind für die Ewigkeit bestimmt und werden grundsätzlich nicht aufgehoben oder verlegt.
Es war eine gelungene informative Veranstaltung.
Die Dorstener Zeitung schrieb dazu:
Neue Standpunkt-Tafel am Jüdischen Friedhof eingeweiht
Eine neue Standpunkt-Tafel weist auf die Geschichte des Jüdischen Friedhofs in Dorsten hin. Der Friedhof spielt nicht nur eine historisch wichtige Rolle.
Die neue Standpunkt-Tafel am Jüdischen Friedhof in Dorsten wurde am Sonntagvormittag (6.9.) offiziell eingeweiht.
Die Tafel geht zurück auf eine Initiative der Ideenfabrik Stadtsfeld, die dabei mit dem Jüdischen Museum Westfalen und dem Verein für Orts- und Heimatkunde zusammenarbeitete.
Die Tafel steht vor dem großen hölzernen Eingangstor des Friedhofs an der Hasselbecke. In Kurzform erzählt sie die Geschichte des sogenannten „Judenbuschs“. 1628 wurde der Friedhof erstmals urkundlich erwähnt. Gegenwärtig sind 27 Grabstellen erhalten. Die letzte Beisetzung erfolgte 1941.
CDU-Ratsherr Johannes Götte, der den anderweitig terminlich gebundenen Bürgermeister Tobias Stockhoff vertrat, erzählte: „Wir haben hier als Kinder oft im Wald gespielt. Aber damals wussten wir nicht, was das hier eigentlich ist.“
Die neue Standpunkt-Tafel soll das nun ändern. Mehr noch, sagte Elisabeth Cosanne-Schulte-Huxel, Vorsitzende des Vereins für jüdische Geschichte und Religion: „Lange Zeit lag dieser Ort im Verborgenen, außerhalb der täglichen Wege. Mit der Tafel holen wir nun die Geschichte der dort begrabenen Menschen zurück ins Gedächtnis.“
Dabei sei der Jüdische Friedhof weit mehr als eine historisch bedeutende Stätte. In der jüdischen Tradition sei der Friedhof sogar wesentlicher als eine Synagoge, sagte Walter Schiffer, Experte für die jüdische Religion und Geschichte.
Der Tod sei die „Urszene“ der Erinnerung. Und im Judentum gebe es eine zentrale religiöse Pflicht, sich an bestimmte Ereignisse und Gebote zu erinnern. Auf dem Friedhof könne man gemeindliche und familiäre Identität bilden.jp
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